Halfbuckle, Fullbuckle, Onbuhimo & Co.: Was Tragehilfen und Schuhe gemeinsam haben

Wenn es um Tragehilfen geht, hast du die Qual der Wahl. Soll es ein Halfbuckle sein, ein Fullbuckle, ein Onbuhimo oder doch ein Mei Tai? Oder weißt du vielleicht gar nicht, inwiefern sich diese ganzen Tragehilfen überhaupt unterscheiden? Dann bist du hier genau richtig. Ich nehme dich mit in den Tragehilfen-Dschungel und erkläre dir, wie du dich für die richtige Trage entscheidest und was das Ganze mit Schuhen zu tun hast, erfährst du nun auch.

Von Tragehilfen und Schuhen: Die Qual der Wahl

Jetzt mal ehrlich, in deinem Schuhregal steht mehr als ein paar Schuhe, oder? Also in meinem Regal stehen definitiv einige Paare mehr. Barfußschuhe, Sportschuhe, Flip Flops, Sneakers, High Heels, Pumps, Flats, Boots und Stiefel haben dort ihren Platz. Im Keller stehen noch Trekking-, Wander- und Skischuhe. Kurz: eine ganze Menge ganz verschiedener Schuhe. Verschiedene Schuhe für verschiedene Anlässe und Bedürfnisse. Theoretisch erfüllen alle diese unterschiedlichen Arten von Schuhen denselben Zweck: Sie schützen meine Füße vor äußeren Einflüssen. Barfußschuhe machen das auf besonders gesunde sowie bequeme Art und Weise. High Heels schummeln zusätzlich noch ein paar Zentimeter Körpergröße dazu und verändern meine Körperhaltung. Meine Stiefel halten die Füße warm und so weiter. Alle Schuharten bringen also zusätzlich zu ihrem grundlegenden Zweck noch ein paar weitere Vor- und vielleicht auch Nachteile mit sich. (Lust auf eine Sightseeingtour mit anschließender Partynacht in High Heels?)

Genauso verhält es sich auch mit den unterschiedlichen Arten von Tragehilfen. Im Grunde haben sie alle den gleichen Zweck: Sie unterstützen uns dabei, ein Kind zu tragen. Sie tun das auch alle auf mehr oder weniger dieselbe Art und Weise, und doch unterscheiden sich die Tragehilfen zum Teil grundlegend. Sie bringen wie Schuhe auch Vor- und Nachteile mit sich.

Nicht jede Tragehilfe passt zu jedem Tragepaar

Und noch etwas haben Schuhe und Tragehilfen gemeinsam: Nicht jede:r mag dasselbe und nicht jeder Schuh passt auf jeden Fuß. Eltern haben individuelle Vorlieben, was die Art der Tragehilfen angeht. Vielleicht hast du dich schon einmal mit einer anderen Mutter oder einem Tragepapa darüber ausgetauscht. Und auch innerhalb einer Art existieren unterschiedliche Schnitte und Passformen, die nicht immer alle gleich gut passen. Es ist deshalb definitiv sinnvoll, wenn du verschiedene Tragen ausprobierst. Ebenfalls ergibt es Sinn, sich unabhängig von den Erfahrungen von Freund:innen und aktuellen Trends stets für die Tragehilfe zu entscheiden, die für dich selbst gerade am besten passt. Wenn du verschiedene Tragehilfen ausprobieren möchtest, bieten sich alternativ zu einer Trageberatung (da ist die Unterstützung vom Profi dabei) auch Testpakete mit Tragehilfen an.

Info-Zeichen

Die verschiedenen Tragehilfen im Überblick

Schauen wir uns nun die einzelnen Tragehilfen einmal genauer an. Wenn wir die Tragen genauer betrachten, können wir einen Unterschied sehr leicht erkennen: Es gibt Tragehilfen, die Schulterträger zum Binden haben und es gibt Tragehilfen mit geschlossenen Schulterträgern. Die in der zweiten Gruppe sehen ein bisschen aus wie Rucksäcke. Das ist der Unterschied, der für Trageeltern von Neugeborenen am wichtigsten ist und für diese Zielgruppe den größten Unterschied macht. Wer es also so unkompliziert wie möglich möchte, der beschränkt sich auf diese Unterscheidung nach den Schultergurten und lässt alles andere außer Acht. Das funktioniert perfekt – insbesondere wenn man neu im Thema ist.

Wer gerne etwas genauer hinschaut, dem fällt gleich ein weiterer Unterschied ins Auge: Es gibt Tragehilfen mit einem Gurt am unteren Ende und es gibt Tragehilfen, die keinen haben. Wenn wir nun nur diese beiden Eigenschaften nehmen und miteinander kombinieren, haben wir schon einen groben Überblick über die verschiedenen Arten der Tragehilfen, der sich anschaulich in einer kleinen Tabelle darstellen lässt:

Tragehilfen mit Trägern zum Binden

Mei Tai: Trage mit flexibler Bindeweise

Die Urform des Mei Tai stammt aus Asien (genauer gesagt, aus China) und bezeichnet eine Tragehilfe, die aus einem viereckigen Rückenteil und Trägern zum Binden besteht. Ausgehend von dieser Urform, die auf Kantonesisch Meh Dai bzw. auf Mandarin als Beh Dai bezeichnet wird, hat sich eine Vielzahl von Abwandlungen entwickelt. Die „Urform“ ist aber erhalten geblieben und es sind zahlreiche Tragen am Markt erhältlich, bei denen sowohl der Hüftgurt als auch die Schulterträger zum Binden sind. Gerade bei sehr schlanken Menschen kann ein Hüftgurt zum Binden von Vorteil sein, da diese in der Regel enger verschlossen werden als Bauchgurte mit Schnallen.

Ein weiterer Vorteil ist die Flexibilität, was den Ort angeht, an dem der Gurt geschlossen wird: Sind die Enden lang genug, dann kann ich einen Hüftgurt ohne Schnalle wahlweise vorne, seitlich oder am Rücken verknoten. Ganz so, wie es mir gerade passt. Der Knoten, der dabei entsteht, kann ein Nachteil sein, wenn er unangenehm drückt. Die Wahl eines flachen Knotens wie beispielsweise dem Weberknoten schafft hier aber relativ leicht Abhilfe. Ein zweiter Nachteil beim Knoten ist, dass sich der Hüftgurt nicht so leicht nachträglich festziehen lässt. Mit etwas Übung ist Nachziehen aber auch dann gut und sicher machbar.

Halfbuckle: Schnallen und Träger zum Binden in einer Tragehilfe vereint

Als Halfbuckle wird eine Tragehilfe bezeichnet, die am Hüftgurt eine Schnalle (engl. “buckle”) hat, deren Schulterträger aber zum Binden sind. Die halben (engl. “half”) Träger sind also mit Schnallen versehen. Halfbuckles sind in ihrer Grundform in aller Regel an eine Mei Tai angelehnt. Alternativ zum Verschließen des Hüftgurtes mit einer Schnalle gibt es auch Modelle, deren Hüftgurt mithilfe von Klettverschlüssen oder Ringen verschlossen wird.

Schnallen am Hüftgurt sind in den letzten Jahren scheinbar auf dem Vormarsch. Immer mehr Hersteller ergänzen ihre klassischen Mei Tai um Hüftschnallen oder bieten als Alternative einen Hüftgurt mit Schnalle an. Hier spiegelt sich in meinen Augen ganz klar der Kund:innenwunsch wieder: Die breite Masse scheint die einfachere Handhabung von Schnallen dem Knoten vorzuziehen. In der Anwendung besteht wenig bis gar kein Unterschied, ob eine Schnalle verschlossen oder ein Knoten gebunden wird.

WrapConversion: Flexibel und komplett aus Tragetuchstoff

Auch die WrapConversion bedient sich im Grunde bei der Idee einer Mei Tai. In ihrer Grundform wurden WrapConversions ausschließlich aus Tragetuch hergestellt. Und zwar vollständig. Sowohl der Bauchgurt als auch die Schultergurte bestanden aus ungepolsterten Tuchbahnen. Die heute am Markt erhältlichen Modelle haben bis auf wenige Ausnahmen einen gepolsterten Hüftgurt. Geblieben sind die langen ungepolsterten Tuchbahnen als Schulterträger. Diese Träger machen WrapConversions unglaublich flexibel, was die Möglichkeiten beim Binden angeht. So sind praktisch alle Bindeweisen, die man vom Tragetuch kennt, mit WrapConversions umsetzbar und auch das Tragen auf der Hüfte ist mit den breiten, ungepolsterten Trägern bequem möglich. Hauptsächlich werden die Träger aber über dem Po des Kindes aufgefächert, was zu einer anderen Gewichtsverteilung und bei schweren Kindern oft zu einer bequemeren Tragevariante führt.

Podaegi: Ein kleiner Exot unter den Tragehilfen

Ebenfalls Schulterträger zum Binden hat die Podaegi. Allerdings kommt diese traditionelle Trageweise aus Korea ohne Bauchgurt aus. Die Trage besteht aus einem Rückenpaneel und Schulterträgern, mit denen das Kind im Tuchstück fixiert werden kann. Die bei uns weit verbreitete, längliche Form des Rückenteils lehnt an die Nyia an, die traditionelle Tragehilfe der Hmong, welche in Ost- und Südostasien beheimatet sind. Podaegi sind bei weitem nicht so weit verbreitet wie die anderen Arten von Tragehilfen, was schade ist, denn sie sind sehr flexibel einsetzbar und passen sich sehr gut an das Tragepaar an.

Was allen Tragehilfen mit Trägern gemeinsam ist, sind ihre Flexibilität in der Passform und die Anpassungsfähigkeit der Tragehilfen an die Bedürfnisse sowohl der tragenden Person als auch denen der Babys/Kinder, die getragen werden. Mit wenigen Ausnahmen werden die Schulterträger bei allen Varianten auf dem Rücken gekreuzt, so dass das Gewicht des Kindes ganz anders vom Körper des Tragenden aufgenommen und getragen werden kann. Natürlich eignen sich alle diese Tragehilfen auch, um damit auf dem Rücken zu tragen.

Tragehilfen mit geschlossenen Trägern

Wenn wir zurück zu unserer Tabelle gehen, haben wir jetzt die linke Spalte, also die Tragehilfen mit Trägern zum Binden, durchgearbeitet. Werfen wir nun einen Blick auf die Tragehilfen mit geschlossenen Trägern. Die Bezeichnung „geschlossene Träger“ bezieht sich hier auf den Zustand beim Anlegen bzw. beim Tragen. Denn bei sehr vielen dieser Tragehilfen lassen sich die Schultergurte sehr wohl mittels Schnallen öffnen.

Fullbuckle: Einfach in der Handhabung

Der Begriff der Fullbuckle ist der Gegenbegriff zur bereits erwähnten Halfbuckle. Er bezeichnet im Grunde alle Tragehilfen, bei denen sowohl der Bauchgurt als auch die Schultergurte mit Schnallen verschlossen werden. Einige Hersteller bezeichnen ihre Fullbuckles auch als Komforttragen und wollen damit die Bequemlichkeit ihrer Produkte unterstreichen. Die Schulterträger verlaufen bei dieser Gruppe von Tragehilfen in der Regel H-förmig, ähnlich dem Trägerverlauf eines Rucksacks. Diese vertraute Form und die einfache Handhabung machen Fullbuckles bei Erstlingseltern sehr beliebt.

Allerdings sollte man bei einer Entscheidung in der Schwangerschaft nicht vergessen, dass Fullbuckle-Tragen in der Regel weniger Möglichkeiten bieten, sie an ganz kleine Babys anzupassen als Tragen mit Trägern (und Bauchgurten) zum Binden. Hier lohnt es sich also, besonders mit Baby zu kaufen, um eine wirklich passende Tragehilfe zu finden. Eine weitere Stärke von Fullbuckle-Tragen sind die „kurzen“ Schultergurte, bei denen man sehr viel einfacher den Kontakt zum Boden vermeiden kann als bei Schulterträgern zum Binden. Besonders bei Matsch und Regen ist das von Vorteil.

m die Sicherheit zu gewährleisten, werden die beiden Träger mit einer Querverbindung geschlossen. Diese Verbindung lässt sich leichter schließen, wenn man die Schulterträger erst danach festzieht. Die Lage der Querverbindung kann für den Komfort entscheidend sein. Am besten probierst du einfach mal aus, was dir persönlich am besten passt. Als Alternative besteht bei einigen Fullbuckles auch die Möglichkeit, die Träger auf dem Rücken zu kreuzen. So entsteht wiederum eine andere Gewichtsverteilung und das Tragegefühl kann sich maßgebend verändern.

Einige Tragehilfen wie z.B. die IZMI, die Ergo Embrace oder die Click.it vom Simplee Baby sehen die gekreuzten Träger sogar als Standardvariante vor. Ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal vor allem bei der Wahl einer Tragehilfe für Neugeborene ist die Frage, wo die Schultergurte enden. Es gibt dabei zwei Möglichkeiten:

A) Die Schultergurte enden im Rückenpaneel.
B) Die Schultergurte enden am Hüftgurt.

Beide Varianten haben Vor- und Nachteile. Der Vorteil bei der Variante A ist, dass sich das Gewicht des Kindes besser zwischen Hüftgurt und Schultergurten verteilt und somit das Kind von den tragenden Personen in der Regel als leichter wahrgenommen wird. Allerdings kann es durch die Befestigung der Träger am Rückenpaneel zu einem unguten Zug auf den Rücken des Neugeborenen kommen, der das Kind zu einer unnatürlichen Haltung zwingen kann. Natürlich verändert sich bei den beiden Varianten auch der Verlauf der Träger, was Einfluss auf den Komfort für den Tragenden haben kann. Meine Empfehlung für Neugeborene ist daher, nach Möglichkeit eine Trage zu wählen, die entweder in den Hüftgurt endet oder noch besser, die die Möglichkeit bietet, vom Hüftgurt in das Rückenpaneel umzustecken. So kann zu Beginn Rücksicht auf das Neugeborene genommen und später mit zunehmendem Gewicht des Kindes auf die Bedürfnisse der Eltern reagiert werden.

Grundsätzlich funktionieren alle Fullbuckle-Tragehilfen so ähnlich, dass auf eine weitere Unterteilung meistens verzichtet wird. Aber auch hier kann man nochmal genauer differenzieren und Untergruppen aufgrund weiterer Merkmale bilden. Allerdings halte ich persönlich diese weitere Differenzierung – wenn überhaupt – nur im Kontext einer fachlichen Diskussion unter Expert:innen für sinnvoll. Allenfalls noch sinnvoll ist eine Unterteilung in unstrukturierte Tragehilfen und Tragehilfen, die eine Struktur vorgeben.

Zweiteilige Tragen

Eine kleine Gruppe an Tragehilfen auf dem deutschsprachigen Markt arbeitet mit zwei Komponenten, die gemeinsam eine Tragehilfe bilden. Zu erkennen sind diese Tragen in der Regel an einer trennenden Stoffschicht zwischen dem Tragenden und dem Baby.

Diese Art von Tragen bringt zwei Vorteile mit sich: Zum einen kann diese trennende Schicht einen entscheidenden Unterschied machen, wenn tragende Personen keinen direkten Kontakt zum Kind haben können oder möchten. Zum anderen bringen diese Tragen oft ein besonderes hohen gefühlten Sicherheitsaspekt mit sich. In einem ersten Schritt zieht sich der Tragende die Tragehilfe an und erst in einem zweiten Schritt wird das Kind in die bereits am Körper fixierte Trage gesetzt. Gerade bei sehr ängstlichen Eltern stellt dies einen entscheidenden Vorteil dar.

Onbuhimo

Eine weitere Gruppe bei den Tragehilfen sind Onbuhimos. Diese traditionell aus Japan stammenden Tragehilfen haben in der Regel geschlossene Schultergurte und keinen Hüftgurt. Die Schulterträger werden meistens mit Schnallen verschlossen, es gibt aber auch Onbuhimos, die mit Ringen verschlossen werden.

Onbuhimos kommen in der Regel bei größeren Kindern zum Einsatz. Durch ihr kleines Packmaß passen sie in jede Tasche und erlauben es, die Kinder hochzunehmen, wenn die kleinen Beine müde sind. Der fehlende Bauchgurt macht den Onbuhimo aber auch bei Schwangeren beliebt, da hier kein Gewicht auf dem Bauchraum lastet.

eim Onbuhimo lastet das gesamte Gewicht des Kindes auf den Schultern der tragenden Person. Eine gute Passform ist deshalb sehr wichtig für den Tragekomfort. Viele Trageeltern nehmen hier einen sehr deutlichen Unterschied zwischen Modellen unterschiedlicher Hersteller wahr. Es lohnt sich also, vor dem Kauf verschiedene Onbuhimos auszuprobieren.

Kraxen

ls Kraxen werden Tragehilfen bezeichnet, in denen die Kinder in einem fixen Metallgestell sitzen, das von den Erwachsenen am Rücken getragen wird. Ausgestattet mit einem Sonnendach und einer kleinen Tasche für Gepäck sind Kraxen besonders zum Wandern beliebt. Kraxen sollten frühestens ab Sitzalter verwendet werden. Aber lasst uns die Kraxe bitte erstmal in den Keller zu den Wanderschuhen stellen und in einem extra Artikel anschauen.

Ganz schön viel Information, oder? Das war jetzt ein etwas ausführlicherer Blick auf die unterschiedlichen Tragehilfen. Wie bereits erwähnt, ist dies ein Thema, das man jederzeit noch beliebig komplizierter aufbrechen kann.

Worauf muss ich also bei der Wahl der Tragehilfe achten?

Hier noch einmal eine Zusammenfassung für dich. Das Wichtigste für Eltern und Tragende ist in meinen Augen:

  • Es gibt Tragehilfen mit Trägern zum Binden und Tragen mit Schnallen. Was man bevorzugt, ist Geschmackssache.
  • Jede Tragehilfe hat ihren individuellen Schnitt. Dieser muss zum Tragepaar passen.
  • Tragehilfen vor Kauf immer testen, um sicher zu sein, dass die gewählte Trage bequem ist.
  • Das richtige Einstellen und die richtige Anwendung hat großen Einfluss auf den Komfort.
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